Die geschichte ...

... DES KirchengebäudeS und der Kirchengemeinde IST ZUGLEICH AUCH STADTGESCHICHTE Erlangens

HIntergrund

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts waren für das heutige Franken die Spätfolgen des 30-jährigen Krieges Armut und die sogenannte konfessionelle Aufsplitterung. 

Hugenotten Flüchtlinge

Im Mai 1686 trafen die erste Refugées im mittelalterlichen Erlang ein und wurden hier und im Umland auf Anweisung des Markgrafen mehr oder weniger unter Zwang einquartiert. Was natürlich nicht ohne Konflikte blieb.

Am 14. Juli 1686 legte man dann südlich der Altstadt den Grundstein für die Kirche. Dies war gleichzeitig der Gründungsakt der Neustadt Christian-Erlang.

Neben der Finanzierung stellte der Markgraf für den Bau der Kirche eigene Soldaten ab.

Situation in Frankreich

Fast 90 Jahre war der Protestantismus in Frankreich geduldet. Am 18. Oktober 1685 widerrief Ludwig XIV. in Frankreich mit dem Edikt von Fontainebleau die gewährte Duldung des Protestantismus endgültig. Allerdings waren die französischen Protestanten - Hugenotten genannt - schon länger Repressionen ausgesetzt.

Die geblieben waren, mussten konvertieren oder das Land binnen kurzer Zeit verlassen. Von den etwa 800.000 Protestanten konvertierte im Laufe der Zeit rund die Hälfte zum Katholizismus, rund ein Viertel betrieb eine Untergrundkirche, und etwa ein Viertel von ihnen flüchteten daraufhin in protestantische Nachbarländer, besonders nach Genf, wohin schon seit einigen Jahren Protestanten aus Frankreich geflüchtet waren.

Markgraf Christian-Ernst von Brandenburg-Bayreuth sah dies als Chance für sein Markgrafentum, und erließ rund 40 Tage nach dem Edikt wohl als erster lutherischer Fürst ein Privileg und schickte Abgesandte nach Genf. Er sicherte den Hugenotten vertraglich zu, dass sie eine neue Stadt errichten dürften, er darin eine Kirche für sie bauen würde, und dass sie völlig frei wären, ihren Glauben nach ihren Vorstellungen zu leben. Außerdem wären sie 20 Jahre von Steuerlast befreit.

Bild der historischen Kirche noch vor Errichtung des Turmes

Die Deutsch-reformierte Kirche am Bohlenplatz.

Heute das kreuz und quer, ein angesehenes Tagungszentrum.


1693 Einweihung

1693 wurde sie in Anwesenheit des Markgrafen und Abgesandter aus Bayreuth, Schwabach und anderer reformierter Gemeinden schließlich eingeweiht.

Weitere Flüchtlinge suchen Schutz in Erlangen

Pfälzer Reformierten, die in Folge eines Erbfolgekrieges ebenfalls flüchten mussten, und unmittelbar danach in die neu gegründete Stadt kamen, räumte der Markgraf unmittelbar vor der Eröffnung ein Mitbenutzungsrecht ein. So gab schon am  Eröffnungstag morgens einen französischen und mittags einen deutschen Gottesdienst. Bis die Deutsch-Reformierten 1734 eine eigene Kirche hatten, führte das zu einigen Streitereien. Der Markgraf musste sich mehr als einmal als Vermittler zwischen der altstädtischen lutherischen Bevölkerung und den beiden reformierten und doch so unterschiedlichen Gemeinden erweisen.

Die Türme der Innenstadt

Der Turm der französisch-reformierten Kirche wurde erst ab 1732 erbaut.

Für knapp 80 Jahre war er das höchste Gebäude der Stadt.

Der Turm wurde zwischen 1732 und 1736 vor das Eingangsportal der Kirche gebaut.

Nach dem Altstadtbrand 1706 gab es eine Art Gesamt-Konzept für vier Türme: 

  • Der Turm der 1721 wiedererrichteten Evangelisch-Lutherischen Altstädter Kirche. 
  • Der Turm der französisch-reformierten Kirche.
  • Der (nie fertiggestellte) Turm der deutsch-reformierten Kirche.
  • Der Turm der Evangelisch-Lutherischen Neustädter Kirche, allerdings erst im 19. Jahrhundert fertiggestellte.